
Quelle: APA (City Slang)
Lambchop veröffentlichen am 24. Februar ihr elftes Werk. Die Formation um Mastermind Kurt Wagner hat mit "Mr. M" ein episches Album aufgenommen. "Wir haben über die Jahre einiges ausprobiert", erzählte Wagner im Gespräch mit der APA. "Da war etwa der Versuch, auf Platte wie eine Live-Band zu klingen. Das war diesmal kein Thema." Streicher geben etwa über Strecken den Ton an.
Die Streicher werden bei den kommenden vier Österreich-Konzerten der Gruppe allerdings fehlen. "Es gab ein klares Konzept, bevor wir mit der Arbeit an der Platte begonnen haben", berichtete Wagner im Telefongespräch mit der APA. "Dieses sah den Einsatz von Streichern vor, wie wir es noch nie getan haben. Es gibt ja bereits Streicher auf anderen Lambchop-Alben, aber auf diese intensive Art haben wir mit ihnen bisher nicht gearbeitet." Das Resultat sind atmosphärisch dichte Nummern, die ein starkes Gesamtes ergeben und, wenn man den Vergleich überhaupt wagen will, an das Glanzstück "Nixon" aus dem Jahr 2000 erinnert.
"Gewisse Elemente von Lambchop bleiben gleich, auch wenn es Veränderungen gibt, die manchmal recht mutig ausfallen", meinte Wagner auf das Gemeinsame angesprochen. Dazu gehören die stets bildreichen, wortgewaltigen und etwas abstrakten Texte. "In meinen Gedanken ergeben sie immer Sinn. Ich weiß ja, worum es geht. Und ja, ich halte die Texte lieber offen genug, damit die Hörer ihre eigenen Schlüsse ziehen können. Ich mag keine exklusiven Texte, mit denen nur ich etwas anfangen kann."
Immer wieder tauchen Vögel in Lampchop-Texten auf. Auf dem Vorgänger "OH (Ohio)" sang Wagner über Amseln, diesmal tritt gleich im ersten Song, der ersten Singe "If Not I'll Die", eine Möwe in Erscheinung. "Ich sitze gerade auf meiner Terrasse und höre Vögel singen. Sie sind Teil meiner Welt. Und ich lasse meine Welt in meine Texte einfließen. Die Vögel gehören dazu", erklärte der Komponist. "Aber ich bin kein Vogelbeobachter", fügte er laut lachend an.
Auch wenn Streicher ein zentrales Element von "Mr. M", dessen Cover ein von Wagner gemaltes Bild ziert, darstellen, werden diese bei den Konzerten am 27.2. in Wien (Konzerthaus), am 28.2. in Linz (Posthof), am 14.3. in Dornbirn (Spielboden) und am 15.3. in Innsbruck (Treibhaus) fehlen. "Auf diese Tournee nehmen wir keine Streicher mit", ließ Wagner mit spitzbübischen Unterton wissen. "Die Songs stehen auf eigenen Beinen, sie funktionieren auch ohne Streicher sehr gut. Live und Studio sind zwei verschiedene Kunstformen. Ich mag es, wenn die Songs auf der Bühne etwas anders klingen als auf Platte."
Überschattet wurde die Arbeit an "Mr. M" vom Freitod Vic Chestnuts, dem die LP gewidmet ist. Wagner beschäftigte sich in der Zeit nach dem Ableben des befreundeten Liedermachers viel mit Malerei. Hatte das Auswirkungen auf die Songs? "Nicht wirklich, ich habe das simultan gemacht", antwortete der 53-Jährige. "Malen hat die Musik nicht verändert, aber ich wollte eine Verbindung zwischen den Kunstformen schaffen, eine Symbiose."
"Mr. M" hätte eigentlich "Mr. Met" heißen sollen. Da das Maskottchen einer Baseballmannschaft diesen Namen trägt, erhob die US-Liga Einspruch. "Es ist irgendwie frustrierend, dass ein Künstler nicht die Freiheit hat, sein Werk so zu nennen, wie er es will", ärgerte sich Wagner. "Der Titel wäre übrigens nur in den USA ein Problem gewesen. Darum wollten wir die Platte zuerst auf der restlichen Welt mit ihrem ursprünglichen Titel veröffentlichen. Aber im Internet-Zeitalter hätte das wohl nur Verwirrung gestiftet." Also musste man einen kleinen Kompromiss eingehen? "Ja, so kann man das sagen."
Im Gegensatz zu anderen Formationen, die auf der Suche nach Veränderungen die Welt bereisen und sich in unterschiedlichsten Studios einmieten, sind Lambchop auch diesmal zu Hause geblieben: "Das ist die Schönheit von Nashville: Wir müssen nicht weiter als quer durch die Stadt reisen, wenn wir ein anderes Studio ausprobieren wollen. Es gibt hier so viele davon."