Nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" wird gegen den österreichischen Vizepräsidenten der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, dem Betreiber des verunglückten Schiffes, ermittelt. Die Staatsanwälte der toskanischen Stadt Grosseto werfen dem gebürtigen Ennser Mängel bei der Koordinierung der Rettungsaktion an Bord des Schiffes vor.
Der Oberösterreicher soll Kapitän Francesco Schettino "keine angemessene Lösungen" bei der Bewältigung des Notstands vorgeschlagen haben, verlautete aus toskanischen Justizkreisen. Er habe außerdem die Hafenbehörde in der toskanischen Stadt Livorno nicht klar über die Zustände an Bord informiert. Der Manager, der für die technischen Operationen der gesamten Costa-Flotte zuständig ist, war in der Nacht des Schiffbruches in telefonischem Kontakt mit Bordoffizier Manrico Giampietroni gewesen, der mehrere Menschenleben gerettet hatte und 36 Stunden nach der Havarie lebend aus dem Schiff geborgen wurde.
Der Österreicher war bereits am 7. Februar von den ermittelnden Staatsanwälten befragt worden, berichteten italienische Medien. Er gilt als Veteran in der Kreuzfahrt-Branche. Die Gesellschaft Costa Crociere drückte indes ihre volle Solidarität auch mit dem österreichischen Vizepräsidenten des Unternehmens aus. Die Reederei zweifle keineswegs an der Kompetenz und am ethischen Verhalten ihrer Mitarbeiter. Costa-Sprecher Davide Barbano betonte auf APA-Anfrage, der Oberösterreicher wolle die Ermittlungsaufnahme gegen ihn nicht kommentieren.
Ermittlungen wurden auch gegen den Chef des Krisenstabs der Costa Concordia, Roberto Ferrarini, gegen Flotten-Inspekteur Paolo Parodi, sowie gegen vier Offiziere, die sich an Bord der Kommandobrücke befanden, als sich das Unglück ereignete, aufgenommen. Kapitän Schettino wird unterdessen vorgeworfen, dass er den Hafenbehörden nicht sofort berichtete, dass das Schiff gegen den Felsen geprallt war.
Nachdem Taucher am Mittwoch acht Leichen in dem überfluteten Teil des Kreuzfahrtschiffes gefunden haben, wurden am Donnerstag jene vier Toten aus dem Schiff geholt, die am Mittwoch nicht geborgen worden waren. Sieben Personen werden noch vermisst. Die "Costa Concordia" war am 13. Jänner mit mehr als 4.200 Menschen an Bord vor der toskanischen Insel Giglio havariert.