Bauern für langsamen Glyphosat-Ausstieg

06.12.2017, 16:13 |

Die EU erlaubt das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat also für weitere fünf Jahre. Jetzt wird - teils recht emotional - diskutiert, ob Österreich das Mittel auf nationaler Ebene verbieten soll. Die Weltgesundheitsorganisation sagt ja, Glyphosat ist "wahrscheinlich krebserregend."

Die oberösterreichische Landwirtschaftskammer und ÖVP-Agrarlandesrat Max Hiegelsberger warnen heute vor einem raschen nationalen Verbot oder einem Verbot in einzelnen Bundesländern: "Glyphosat von heute auf morgen im Alleingang zu verbieten, bringe den Bauern massive Nachteile im Wettbewerb.", so Hiegelsberger. "Wenn von uns verlangt wird, dass wir in Oberösterreich glyphosat-freie Böden haben, dann muss es umgekehrt auch glyphosat-freie Regale im Handel geben."


Podcast
Get Flash to see this player.
Herunterladen
   

Wie Österreich mit Glyphosat umgeht, diskutieren Politik, Bauern, Handel und Umweltschutzorganisationen bei einem Runden Tisch am 14.Dezember.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer in Oberösterreich, Franz Reisecker, will es langsam angehen, denn ein Verbot im Alleingang schade unseren Bauern im Wettbewerb. "Es geht ohne Glyphosat. Es wird auch viel geforscht. Die Bewirtschaftung der Felder verändert sich, Stichwort Digitalisierung und Roboter. Aber es geht nicht von heute auf morgen. Bis zu den Veränderungen brauchen wir gleiche Spielregeln für Landwirte in Europa."


Podcast
Get Flash to see this player.
Herunterladen
   

Bei einem sofortigen Glyphosat-Verbot könnten Bauern sogar wegen des Wettbewerbsnachteils klagen, sagt Reisecker. Hier müsse sich die Kammer ansehen, ob und wie sie ihre Mitglieder unterstützen kann.

In Österreich darf das Unkrautvernichtsmittel Glyphosat nicht auf die zu erntende Kultur aufgebracht werden. Sondern es wird vor der Aussaat genutzt, um den Boden ohne Pflug vorzubereiten. Das Mittel kommt also nicht mit der Ernte in Berührung, heißt es heute von der Landwirtschaftskammer. Bei Tests in den Jahren 2013 und 2015 wurden keinerlei Rückstände im österreichischen Erntegut festgestellt. Die nächsten Monitorings sind für 2018 und 2021 geplant.

Zu Recht angeprangert würde aber der rücksichtslose Einsatz von Glyphosat vor allem in Süd- und Nordamerika, so die Landwirtschaftskammer. Dort sei die Anwendung des Unkrautvernichtungsmittels bei gentechnisch veränderten Pflanzen Standard, vor allem bei Mais, Soja, Raps und Baumwolle. Diese gentechnisch veränderten Pflanzen seien gegen Glyphosat resistent. Dadurch könne das Mittel direkt auf die zu erntenden Kulturen aufgebracht werden, um unerwünschte Beikräuter zu unterdrücken. Das ist in Österreich verboten.