Beispielloser Bauskandal in St. Wolfgang

30.11.2016, 13:20 | Gmunden

Es sind harte Worte, die der Landesrechnungshof heute für die Gemeinde St. Wolfgang findet: "Unverständlich. Massive Versäumnisse. Eine seltsame Rechtskultur in der Gemeinde. Haarsträubend. Eine Katastrophe". Die Gemeindeprüfer haben den Bauskandal von St. Wolfgang über die letzten Monate aufgerollt und heute ihren Endbericht präsentiert. Ans Licht gekommen sind fragwürdige Praktiken und 20 Jahre lange Misswirtschaft durch Bürgermeister und Amtsleiter.

In Summe sind 974 Akten nicht ordentlich abgeschlossen. Darunter neu gebaute Einfamilienhäuser, die jetzt gar nicht bewohnt werden dürften oder Heizungen, die nicht laufen dürften. Die Gemeinde hatte selbst für das Amtshaus und die Volksschule keine Baugenehmigung. Die Rede ist also von Schwarzbau. Dazu kommt ein Prüfungsausschuss, der nicht getagt hat, Umwidmungen, die nicht verrechnet wurden, Kanalgebühren, die nicht eingehoben wurden. Unterm Strich steht ein Schaden von mehreren Hunderttausend Euro, vieles davon ist unwiderbringlich. Allein bei den 57 Akten, die der Rechnungshof genau geprüft hat, sind 270.000 Euro Schaden berechnet worden. Und das war nur ein Bruchteil der Akten. Es ist Geld, das die Gemeinde den Bürgern und dem Land unwiderbringlich geschenkt hat.

Gleichzeitig sind die Bürger von St. Wolfgang und da vor allem der Tourismus von der Gemeinde überdurchschnittlich gefördert worden. Sind 18 Euro pro Kopf üblich, waren es in St. Wolfgang 65 Euro pro Kopf, also das dreifache an Fördergeldern. Jetzt hat die Gemeinde gewaltige Geldprobleme, wird Liegenschaften am Wolfgangsee verkaufen müssen und ein Sanierungskonzept ausarbeiten müssen, heißt es vom Landesrechnungshof.