Brucknerhaus-Chef Frey zieht positive Bilanz zum Abschied

13.11.2017, 14:22 | Linz

Mit Jahresende wechselt der bisherige Chef des Linzer Brucknerhauses nach Sotschi in Russland. Heute zog Hans-Joachim Frey eine positive Bilanz über die fünf Jahre an der Spitze des renommierten Linzer Konzerthauses.

"Es war eine sehr interessante und prägende Zeit. Ich habe kaum angefangen, da wurde das neue Musiktheater eröffnet. Dadurch hat sich der ganze Musikmarkt verändert. Aber wir haben alles das, was wir uns vorgenommen haben, erreicht: Ein weltoffenes, vielschichtiges Brucknerhaus hier in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu stellen. Die Zahlen der letzten Monate sprechen für sich: Alles hat sich positiv entwickelt. So gesehen verlasse ich das Haus jetzt wo es am schönsten ist."

Durch sein einzigartiges Programm habe es das Brucknerhaus geschafft, sich neben den großen heimischen Musikstädten Wien und Salzburg erfolgreich zu positionieren. Auch die optimale Infrastruktur mit dem neuen Musiktheater, dem sanierten Brucknerhaus und der neuen Bruckner-Universität sei Teil des Erfolgs von Linz als Musikstadt, sagt Frey im Life-Radio-Interview. Die von der Landesregierung angekündigten Einsparungen im Kulturbereich sieht der scheidende Brucknerhaus-Chef gelassen:

"Das wird langfristig Auswirkungen haben. Es kommt darauf an, wie hoch die Streichungen ausfallen. Es ist in der Vergangenheit sehr viel in die Kultur investiert worden. Jetzt muss man sehen, wie sich das einpendelt, wie viel Geld man wirklich hat. Es ist noch viel zu früh, um Schlüsse zu ziehen. Drei, vier Jahre sollte man jetzt schauen, wie man damit umgehen kann." Die Position von Linz als bedeutende Spielstätte für klassische Musik sieht Frey durch die Sparmaßnahmen nicht in Gefahr.

Dass er jetzt nach Russland wechselt, obwohl zwischen dem Land und der EU gerade politische und wirtschaftliche Eiszeit herrscht, bereitet Frey kein Kopfzerbrechen. Er sei vor der neuen Herausforderung zwar ein wenig angespannt, habe aber keine Angst. Dazu kenne er Russland zu gut.

"Meine Mission ist, Brücken zu bauen. Ich möchte den Leuten erklären: Es ist alles nicht so, wie es in den Medien steht. Es ist eine andere Kultur, eine andere Verfassung sozusagen. Aber Russland ist ein tolles, spannendes Land und ich hoffe, dass wir ganz viele Leute dafür begeistern können", so Hans-Joachim Frey im Gespräch mit Life Radio.

Anfang des kommenden Jahres wird Frey sein Amt als Leiter des neuen Kultur- und Veranstaltungszentrums in der Olympia-Stadt Sotschi antreten. Ganz kehrt er Oberösterreich aber nicht den Rücken: Er behält seinen Wohnsitz in Linz und wird einmal im Monat vorbeikommen. Und auch ins Brucknerhaus will er regelmäßig zurückkehren. Als Besucher.