Mehr Vergewaltigungen auf der Straße in Linz

15.11.2017, 09:50 | Linz
Pilsl Pogutter Polizei

Foto: fotokerschi.at/Werner Kerschbaummayr

Christoph Wurm Generaldirektor VKB Bank Ferry Maier Flüchtlingskoordinator

Foto: Co-Flüchtlingskoordinator Ferry Maier (l.) und VKB-Generaldirektor Christoph Wurm sprachen in der Linzer Tabakfabrik über Flüchtlingspolitik - Bild: Hermann Wakolbinger

Der Fall hat im Oktober für tagelang für Aufregung in Oberösterreich gesorgt: Eine 31-Jährige verliert auf dem Heimweg vom Urfahranermarkt ihr Handy. Ein junger Afghane lockt sie mit dem Vorwand, seine Freunde hätten das Handy, zum Skaterpark. Dort vergewaltigt er die Frau.

Wie die Polizei gestern bekanntgegeben hat, sitzt der mutmaßliche Vergewaltiger seit 1. November in Untersuchungshaft. Polizisten haben ihn in Linz-Urfahr verhaftet, nachdem er versucht hat, eine 19-Jährige in einem Hauseingang zu vergewaltigen. Die junge Frau konnte sich aber wehren und hat dem Angreifer das Gesicht zerkratzt. Auch für mindestens eine weitere versuchte Vergewaltigung soll der 21-jährige Asylbewerber aus Afghanistan, der sei Anfang 2016 in Österreich ist, in Frage kommen.

Insgesamt sei die Zahl der versuchten oder tatsächlich ausgeführten Vergewaltigungen im öffentlichen Raum in Linz gestiegen, sagt Landespolizeidirektor Andreas Pilsl. 21 Fälle habe es heuer schon gegeben. Das sind um sechs mehr als 2014, dem Jahr, bevor Zehntausende Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind.

Männer aus Afghanistan seien überdurchschnittlich oft dringend tatverdächtig bei schweren Sexualdelikten, sagt Landespolizeidirektor Pilsl: "Wir haben heuer bisher 17 versuchte oder vollendete Vergewaltigungen aufgeklärt. In sechs Fällen sind die mutmaßlichen Täter Afghanen." Man dürfe bei der Integration dieser Menschen keine Fehler machen und müsse als Staat auch konsequent gegen alle Regelverstöße vorgehen, so Pilsl.

Bessere Integrationsmaßnahmen fordert auch Ferry Maier, der frühere Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung. Vor allem, dass die Asylbewerber immer noch zwei Jahre und länger auf ihre Asylbescheide warten müssen und in der Zwischenzeit nicht arbeiten dürfen, sei nicht akzeptabel. Dass mit den vielen Flüchtlingen in den Jahren 2015 und 2016 nicht nur brave Bürger gekommen sind, sei auch klar.

"Sie haben in jeder Gesellschaft drei bis fünf Prozent, die - höflich ausgedrückt - verhaltensauffällig sind. Das aber auch bei Österreichern so. Straftaten sind nicht zu akzeptieren, das ist keine Frage. Bei der Integration müssen wir schon nachdenken: Ich kenne so viele Fälle, wo bei der Organisation von Heimen Fehler gemacht wurden: Man hat viel zu viele junge Männer in einem Heim untergebracht. Das könnte man besser auch machen", so Maier, der gestern auf Einladung der VKB-Bank in der Linzer Tabakfabrik über seine Erfahrungen als Flüchtlingskoordinator gesprochen hat.

Der oberösterreichische Caritas-Direktor Franz Kehrer verurteilt die Vergewaltigungen ebenfalls. Diese und andere Straftaten müssten hart geahndet werden. Und auch er fordert noch größere Anstrengungen bei der Integration. Gerade bei afghanischen Flüchtlingen:

"Afghanistan ist seit 30 Jahren ein Bürgerkriegsland. Die Menschen, die zu uns kommen, haben weder bei der Konfliktlösung, noch im Umgang mit dem anderen Geschlecht mit unseren Werten vergleichbare Erfahrungen. Deshalb sind wir besonders gefordert, sehr klar für unsere Werte und Maßstäbe einzutreten", so der oberösterreichische Caritas-Chef im Life-Radio-Interview am Rande des VKB-Expertengesprächs in der Linzer Tabakfabrik.

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