Teure Wunderwaffe gegen Krebs?

12.10.2017, 14:20 |

Für Krebspatienten klingt es fast zu schön, um wahr zu sein: Höhere Heilungschancen. Längeres Leben. Weniger Nebenwirkungen. Krebsmediziner haben heute in Linz eine neue Behandlungsform präsentiert: Die Immun-Therapie. Sie bewirkt, ganz vereinfacht gesagt, dass das eigene Immunsystem die Krebszellen vernichtet.

In Oberösterreich laufen mit dieser Therapie erfolgreiche Studien gegen Krebserkrankungen der Lunge, Haut, Blase und Niere. Wolfgang Loidl, Leiter der Abteilung für Urologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern sagt im Life Radio Interview. "Die Immuntherapie wirkt bei jedem zweiten Krebspatienten. Wenn die Patienten ansprechen, sprechen sie sehr lange an. Zum Vergleich: Wir haben bei verschiedenen Chemotherapien nach zwei Jahren fast alle Patienten verloren gehabt. Jetzt mit der Immuntherapie leben die Patienten länger als fünf Jahre. Möglicherweise bei einem Melanom 10 Jahre. Das heißt, bei einem Patienten, der sehr fortgeschrittenen Krebs hat, ist die Immuntherapie eine echte Wunderwaffe."


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Die Immuntherapie ist allerdings sehr teuer: Sie kostet monatlich zehn Mal so viel, wie eine Chemotherapie. Und es gibt zu wenig Geld dafür. Die Abteilung Urologie am Ordensklinikum Linz etwa hatte bisher ein Budget von rund 600.000 Euro im Jahr für Medikamente. Das ist jetzt in den zweistelligen Millionenbereich hochgeschnellt. Auch durch teure, aber lebensrettende, Therapien für Krebspatienten, sagt Loidl.

"Wir haben derzeit Studien laufen mit einem Potenzial von 16 bis 17 Millionen Euro. Diese Medikamente werden uns von den Herstellerfirmen für die Studien gratis zur Verfügung gestellt. Wenn diese Mittel irgendwann zu bezahlen sind, können Sie sich vorstellen, was das bedeutet. Wir behandeln 800 Krebsfälle pro Jahr. Kurz gesagt: Das wird heavy."


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Die Politik dürfe nicht länger wegschauen. Man müsse entscheiden, ob die Kassen die Behandlungen zahlen oder nicht. "Es kann nicht sein, dass der Arzt aufgrund der Kosten und des Budgets, das zur Verfügung steht, darüber entscheidet, wer eine Immuntherapie bekommt und wer nicht.", sagt Helmut Kehrer, Leiter der Abteilung für Dermatologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen.

Loidl betont: Noch ist es so, dass jeder Krebspatient in Oberösterreich, der eine Immuntherapie braucht, auch eine bekommt.