Nach einigen Jahren Bühnenabstinenz waren sie wieder in Wien, Max Müller und seine Band namens Mutter. Der Auftritt im Wiener Fluc am gestrigen Donnerstag unterstrich den Kultstatus der Berliner Band, die schon seit 25 Jahren ein zu Unrecht eher wenig beachtetes Dasein fristet. Diese 25 Jahre waren der Band aber dafür nicht anzumerken.
Müllers Auftreten war von jugendlicher Wut geprägt, auch wenn er in seiner Jeans-Trägerleibchen-Kombi nicht selten einmal auf der Bühne kauerte. "Wir machen Verlierer-Musik für Verlierer" meinte der Endvierziger während eines Songs. Im Fall von Mutter bedeutete das Zweifel und Aufbegehren gegenüber sich und der Umgebung mit zwei Akkorden.
"Es gibt nichts Besseres, denn das ist das Leben", sang Müller in einem frühen Song in den 1980ern - und das war nicht als versöhnliches Statement gemeint, wie man auch beim gestrigen Auftritt unter Beweis stellte. Mit dem neuen Song "Stimmen" aus dem aktuellen Album "Mein kleiner Krieg", das im eigenen Label namens "Die Eigene Gesellschaft" erschienen ist, eröffnete man den Abend. Einem Song, der die Möglichkeit, die Wahrheitssuche erfolgreich zu beenden, mit einem "leider nicht" beantwortet. Die in sich ruhende, durch die unverrückbare Aussichtslosigkeit generierte Wut wurde mit mäandernden Gitarrenwänden präsentiert und bekam im Nachfolgesong einen Kontrast im Neue-Deutsche-Welle-Stil.
"Man kann sich beschweren, man kann sagen 'Na ja'", meinte Müller nach diesem kleinen Stilbruch zum Publikum, dem er später noch mangelndes Engagement mit den Worten "netter Applaus, aber nicht aufrichtig gemeint - das ist österreichischer Zynismus" unterstellen sollte. Der gebürtige Wolfsburger sorgte mit solchen Aktionen dafür, dass seine nicht gerade frohe Botschaften vermittelnden Songs nicht zu purer Schwermut unter den Anwesenden führten. Auch in musikalischer Hinsicht bot man nicht nur Härte, sondern sogar Balladenartiges, das zwar mit krachenden Gitarren getränkt war - Ruhe war bei Mutter auch live nur kurz zu finden.
Müller erwies sich hingegen als körperlich sehr präsenter Frontmann, der den Song "Ihr seid alle schön" als persönlichen Text mit möglicher Vorgeschichte ankündigte, aber stattdessen mit einem "und ab geht die Post" einleitete. Ein Hauch von Hedonismus war in seiner Darbietung kaum zu leugnen - doch genau so auch der Ekel davor. In den härtesten Momenten repräsentierte Mutter dabei die unreflektierte Wut auf sich und auf alles - untermalt mit kreischenden Gitarren und geschrienen Texten. Mutter live, das war keine fade Nostalgie, das ist immer noch eine radikale Haltung, die ohne Schnörkel auf den Punkt kommt.