2010 war die Ars Electronica in der Tabakfabrik zu Gast

2010 war die Ars Electronica in der Tabakfabrik zu Gast - Bild: AEC/Rubra - CC BY-NC-ND 2.0 creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Ars Electronica: viel Neues zum Vierziger

Das Linzer Festival für Kunst, Medien und Gesellschaft präsentiert sich nach vier Jahrzehnten vitaler denn je

„Nein, das nicht“, sagt Hannes Leopoldseder, Gründervater der Ars Electronica auf die Frage, ob er sich damals, 1979, vorstellen hätte können, dass er einmal das 40. Jubiläum des Linzer Festivals für Kunst, Medien und Gesellschaft mitfeiern würde. „Aber, ich war zuversichtlich. Ich glaubte an die Entwicklung der Technologie. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass ‚der Computer‘, wie man damals sagte, das neue Werkzeug sein würde.“

Tatsächlich ist heute, vier Jahrzehnte später, das Digitale nicht mehr wegzudenken aus unserem Alltag. So, wie die Ars Electronica nicht mehr wegzudenken ist aus Linz. Längst hat sie sich auch international einen beachtlichen Stellenwert erarbeitet: Nirgendwo auf der Welt gibt es ein größeres Medienkunst-Festival.

Die Ars Electronica habe sich in den letzten 40 Jahren eine gewaltige Expertise zur Digitalisierung und bei der Künstlichen Intelligenz (KI) erarbeitet, sagt die Linzer Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP): "Das müssen wir auch in der Politik viel stärker in unseren Alltag integrieren. Die Digitalisierung ist allgegenwärtig, sie begegnet uns in allen Bereichen. Wir befinden uns mitten in einer neuen Revolution und da müssen wir das Knowhow der Ars Electronica nützen."

Bedeutender Standort-Faktor für Linz

Für Linz sei die Ars Electronica inzwischen ein bedeutender Standortfaktor geworden, sagt der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) im Life-Radio-Interview: „Wir setzen auf unsere exzellente Industrie, wir setzen auf die Tabakfabrik, wir setzen auch auf die Digitalisierung. Und da ist das Ars-Electronica-Center mit den Bildungseinrichtungen und auch vielen Kreativen ein wichtiger Partner.“

Partnerschaft ist der Leitgedanke der Ars Electronica: Sie setzt seit jeher auf die Vernetzung von Künstlern, Wissenschaftlern und Fachkräften aus der Wirtschaft. Gerade von der Kunst könnten die anderen Disziplinen viel lernen, sagt Gerfried Stocker, seit 1995 künstlerischer Leiter der Ars Electronica: „Ideen aus künstlerischen Projekten sind weit über die Kunst hinaus wertvoll: für neue Inspirationen in der Forschung, in der Entwicklung, in der Industrie, in der Wirtschaft allgemein. Deshalb wollen wir hier eine Brücke schlagen.“

Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft unf Wirtschaft

In einem neuen Forschungsprojekt bringt die Ars Electronica jetzt zum Beispiel den Grazer Musikwissenschaftler, Künstler und Musiker Werner Jauk mit den Entwicklern von Elektroautos zusammen: „Künstler, Musiker und Komponisten arbeiten damit, wie wir Klang wahrnehmen. Diese Erkenntnisse kann ich jetzt nützen, wenn es darum geht, wie wir in Zukunft damit umgehen, wenn die Autos alle langsam und leise herumfahren. Bauen wir jetzt in alle Lautsprecher ein, die die ganze Zeit piepsen? So, dass wir gleich die Nerven wegschmeißen? Oder finden wir vielleicht intelligentere Formen?“, erklärt Gerfried Stocker im Gespräch mit Life-Radio-Reporter Daniel Kortschak.

Neue Dauerausstellung im AEC

Sehr wichtig sei es auch, da sind sich Stocker und Bürgermeister Luger einig, dass möglichst viele Menschen dazu motiviert werden, sich mit den Chancen, Herausforderungen und Gefahren der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Das ist das Ziel der Dauerausstellung im Linzer Ars-Electronica-Center (AEC). Sie wird jetzt nach zehn Jahren neu gestaltet. Insgesamt vier Millionen Euro nehmen Stadt Linz und Ars Electronica dafür in die Hand. Viel Geld in Zeiten knapper Stadtfinanzen, räumt Bürgermeister Klaus Luger im Life-Radio-Interview ein: „Aber eine wichtige Investition in die Zukunft“, wie der Stadtchef hinzufügt.

Unter dem Titel „Kompass“ soll die Schau Menschen Orientierung bieten in der zunehmend komplexer werdenden digitalen Welt: „Da werden wir nicht hergehen und sagen ‚so und so ist das zu interpretieren‘, sondern wir sehen uns wirklich als Instrument und Werkzeug, das den Menschen dabei hilft, sich selbst ein Bild zu machen, eine Meinung zu bilden und sich dann entsprechend zurechtfinden zu können“, erläutert AEC-Chef Stocker.

Der erste Teil der neuen Ausstellung im Linzer Ars-Electronica-Center wird im Mai eröffnet. Der zweite Teil folgt dann im August.

Mehr Infos dazu findet Ihr auf den Internet-Seiten des AEC: http://ars.electronica.art

Interview mit Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter der Ars Electronica

Life-Radio-Redakteur Daniel Kortschak hat mit Gerfried Stocker, dem künstlerischen Leiter der Ars Electronica über die vergangenen 40 Jahre des Linzer Festivals für Kunst, Medien und Gesellschaft gesprochen, über neue Herausforderungen und Pläne sowie die Chance, die der anstehende Quartierwechsel für das Festival bietet.

Interview mit Hannes Leopoldseder, Gründer der Ars Electronica

Hannes Leopoldseder hat 1979 die Ars Electronica initiiert. Hätte er sich damals vorstellen können, heuer das 40. Jubiläum des Festivals mitzufeiern? Und hat die Ars Electronica auch 2019 noch ihre Berechtigung? Darüber hat Life-Radio-Redakteur Daniel Kortschak mit Leopoldseder gesprochen.

Interview mit Klaus Luger, Bürgermeister von Linz

Life-Radio-Reporter Daniel Kortschak hat mit dem Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) über den Stellenwert der Ars Electronica für denm Standort Linz und die Vier-Millionen-Euro-Investition in die neue Dauerausstellung im AEC gesprochen.

Interview mit Doris Lang-Mayerhofer, Kulturstadträtin von Linz

Die Politik müsse viel mehr auf die Digitalisierung eingehen und das große Knowhow der Ars Electronica nützen, sagt die Linzer Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) im Life-Radio-Interview mit Daniel Kortschak.