Ein Thermometer in der Sonne

Symbolbild: Knipseline/pixelio.de

Hitze: Ist der Klimawandel schuld?

Es wird immer heißer in Oberösterreich. Für Experten ist klar: Der Klimawandel wird immer offensichtlicher. Und schuld daran sind wir Menschen selbst.

Schon seit 14 Tagen stöhnt Oberösterreich unter einer Hitzewelle. Und nicht nur bei uns, sondern in weiten Teilen Europas herrschen Temperaturen weit über 30 Grad Celsius. Dazu ist es viel zu trocken. Das sorgt für riesiger Schäden und massive Ernteausfälle in der Landwirtschaft. Auch die Brandgefahr ist enorm: In Schweden und Deutschland brennen Wälder und Felder und auch die Feuerwehren in Oberösterreich müssen seit Wochen immer wieder zu Flur- und Fahrzeugbränden ausrücken.

Werden die Sommer bei uns wirklich immer trockener und immer heißer? Lässt sich das aus den langjährigen Klimaaufzeichnungen herauslesen? „Ja, ganz klar“, sagt Bernhard Niedermoser, bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik für Salzburg und Oberösterreich zuständig, im Life-Radio-Interview:

„Seit den 1980er- und 1990er-Jahren gehen die Temperaturen im Sommer, Frühling und Herbst stark nach oben. Die Sommer bei uns in Oberösterreich werden eindeutig trockener und wärmer.“

Das heißt, wir müssen uns auf diese heißen Sommer auch in Zukunft einstellen?

„Die Klimamodelle zeichnen für Oberösterreich das Bild, dass die Sommer mehr Hitze bringen. Im Gegensatz dazu werden die Winter auch ein wenig wärmer, aber der Temperaturanstieg ist nicht so stark wie im Sommer. Und die Wintermonate werden in Oberösterreich tendenziell eher feuchter.“

Die große Frage ist: Ist das jetzt ein Klimaphänomen, wie es immer wieder einmal auftritt, oder sind wir Menschen an dieser Erwärmung schuld?

„Das, was momentan passiert, ist zu einem sehr großen Teil vom Menschen gemacht. Wir haben sehr viel klimaschädliche Abgase in die Atmosphäre freigesetzt. Diese Erwärmung ist jetzt schon im Gange und auch bis 2040 oder 2050 nicht mehr aufzuhalten. Weil das System so träge ist. Egal, ob der Mensch jetzt gegensteuert oder nicht. Aber für Zeit nach 2050 muss man jetzt reagieren.“

Das gesamte Interview mit dem ZAMG-Klimaexperten Bernhard Niedermoser findet Ihr unten als Podcast zum Nachhören

 

Elektroautos, besser Öffis und Öko-Strom als Ausweg aus der Klimakrise

Wir müssen dringend unseren Energieverbrauch reduzieren und weniger Schadstoffe wie Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Atmosphäre blasen. Das betrifft vor allem den Autoverkehr, sagt Oberösterreichs Umwelt-Landesrat Rudi Anschober (Grüne) im Gespräch mit Life Radio: „Da haben wir seit 1990 dramatische Erhöhungen der CO2-Emissionen. Die Antwort kann nur heißen: Einerseits ein rascher Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und der Fahrradinfrastruktur. Und zweitens eine schrittweise Umstellung auf die Elektromobilität. Dieser Prozess muss jetzt beginnen, und da brauchen wir rasch die Trendwende.“

Der Umstieg auf Elektroautos sei langfristig sicher sinnvoll, sagt Johannes Reichl vom Energieinstitut der Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU) im Life-Radio-Interview. Das müsse man aber gut planen: „Wie immer bei so ganz, ganz großen Umstellungen, die wir uns als Gesellschaft vornehmen, plädiere ich dafür, die Dinge nicht überhastet anzugehen. Gerade bei der Elektromobilität ist das aus Kapazitätsgründen der Stromnetze sicher notwendig. Aber wenn wir uns diesen schrittweisen Umstieg bis 2040, 2050 als Ziel setzen, dann denke ich, dass das absolut möglich ist.“

Im Moment sind die Stromnetze nicht darauf ausgelegt, dass viele Elektroautos gleichzeitig im Schnelllademodus sehr viel Energie benötigen. Zudem sind die Batterien der E-Autos noch nicht so ausgereift, dass die Reichweite an die von Benzin- oder Dieselfahrzeugen herankommt. Ingenieure auf der ganzen Welt forschen hier nach besseren Energiespeichern, auch bei uns in Oberösterreich.

Der Umstieg auf Elektroautos alleine wird aber nicht reichen, um den Klimawandel zu bremsen. Wir müssten auch viel stärker Energie aus erneuerbaren Quellen einsetzen, also Strom aus Wind- und Sonnenkraftwerken zum Beispiel. Aber auch da brauche es noch bessere Technologien zur Speicherung dieser Öko-Energie, sagt der Energieexperte der JKU.

Das Interview mit Johannes Reichl vom Energieinstitut der JKU könnt Ihr euch unten in unserem Podcast anhören

PODCAST: Interview mit Bernhard Niedermoser von der ZAMG

Life-Radio-Redakteur Daniel Kortschak hat mit Bernhard Niedermoser von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) über die Ursachen und Folgen des Klimawandels gesprochen: Ist der Mensch der Hauptverursacher der Erderwärmung? Verschwinden die Gletscher? Werden die Skilifte bald nutzlos?

PODCAST: Interview mit Johannes Reichl vom Energieinstitut der JKU

Was bedeutet die aktuelle Hitze für die Stromversorgung? Droht uns ein Blackout? Sind Elektroautos die richtige Antwort auf die Klimakrise? Und was können wir noch tun, um die Erderwärmung zu bremsen? Darüber hat Life-Radio-Redakteur Daniel Kortschak mit Johannes Reichl vom Energieinstitut der Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU) gesprochen.