Der Bahnhof Sattledt an der Almtalbahn.

Zeitreise zurück in die Achtziger: der Bahnhof Sattledt an der Almtalbahn - Foto: Life Radio / Daniel Kortschak

Tauziehen um die Zukunft der Nebenbahnen in Oberösterreich

Immer mehr Menschen pendeln, die Straßen werden immer voller. Trotzdem wollen die ÖBB mehrere Bahnstrecken einstellen. Das Land will das verhindern. Minister Hofer bleibt vage.

Ist man mit der Almtalbahn von Grünau nach Wels unterwegs, glaubt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt: Langsam schaukelt der drei Jahrzehnte alte Dieseltriebwagen über die schon ziemlich abgefahrenen Gleise. Viel mehr als Tempo 60 ist nicht drin. Oft muss der Zug noch weiter herunterbremsen: Die meisten Bahnübergänge sind nur mit einem Stoppschild gesichert. Weil die Sicht auf die Gleise für die Autofahrer schlecht ist, muss der Zug vorsichtig über die Straße rumpeln. Auch in die meisten Bahnhöfe ist seit Jahrzehnten nicht mehr investiert worden. In Sattledt oder Wels-Lokalbahn könnte man etwa ohne Probleme historische Aufnahmen aus den Achtzigerjahren nachstellen. Was Eisenbahn-Nostalgiker vielleicht freuen mag, ist für die Fahrgäste eine Zumutung: Sie müssen von niedrigen Erdbahnsteigen in den Zug klettern. Von Barrierefreiheit keine Spur.

Ganz ähnlich sieht es auch auf der Mühlkreisbahn zwischen Linz Urfahr und Aigen-Schlägl und auf der Hausruckbahn von Attnang-Puchheim über Ried im Innkreis nach Schärding aus. Auch dort ist seit vielen Jahren nicht mehr ordentlich in die Bahn-Infrastruktur investiert worden. Der Grund dafür ist klar: Die ÖBB als Eigentümer haben kein Interesse mehr an diesen Strecken. Obwohl das Land für viel Geld die Zugfahrten dort bestellt, ist man in der Bundesbahn-Zentrale in Wien der Ansicht, diese Nebenbahnen würden sich nicht rechnen.

„Es werden über alle Regionalbahnen Gespräche und Verhandlungen geführt. Die ÖBB würden mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 die Mühlkreisbahn, die Almtalbahn und die Hausruckbahn einstellen. Das wollen wir in Oberösterreich auf jeden Fall verhindern. Natürlich geht‘s ums Geld. Da benötige ich mehr Geld hier im Land. Aber ich brauche auch die Unterstützung der Bundesregierung“, sagt Infrastruktur-Landesrat Günther Steinkellner (FPÖ) im Gespräch mit Life Radio.

Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ), der am Montag zur Grundsteinlegung für den Ausbau der VÖEST-Brücke in Linz war, signalisiert im Life-Radio-Interview Unterstützung: „Wenn es um die Nebenbahnen geht, sind wird dafür alles zu tun, um zu erhalten, nicht zu sagen, ‚nein, wir sperren zu.‘ Wenn eine Bahn einmal zugesperrt ist, kann man sie nicht mehr reaktivieren. Wir arbeiten hier sehr, sehr eng mit dem Land und Günther Steinkellner zusammen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es auch hier gelingt, neue Maßstäbe zu setzen.“ Eine konkrete Zusage, ob und wie viel Geld die Bundesregierung für die Erhaltung und Modernisierung der oberösterreichischen Nebenbahnen locker machen wird, wollte Hofer aber nicht abgeben.

Bund will beim Öffi-Ausbau in Linz mitzahlen

Immer wieder fordern das Land Oberösterreich und die Stadt Linz auch eine finanzielle Beteiligung des Bundes beim Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel in der Landeshauptstadt. Das betrifft etwa den Bau der zweiten Straßenbahnachse östlich des Linzer Stadtzentrums. Dazu sagt Hofer im Gespräch mit Life Radio: „Ich möchte das umsetzen. Wir investieren ja in Wien 78 Millionen Euro nur von Seiten des Bundes als Zuschuss in den U-Bahn-Bau. Ich bin schon der Meinung, dass man auch die anderen Ballungsräume in Österreich unterstützen muss: also Linz, Salzburg, Graz und so weiter. Und ich werde versuchen, ab 2020 mit dem neuen Budget auch dafür Mittel zu erkämpfen und freizuräumen. Denn die anderen Städte, vor allem Linz, haben ähnliche Probleme wie Wien, aber nicht die Unterstützung des Bundes. Das ist nicht gerecht.“

Somit können das Land Oberösterreich und die Stadt Linz auf eine finanzielle Beteiligung des Bundes beim Bau der Zweiten Schienenachse durch die Landeshauptstadt hoffen. Das 83-Millionen-Euro-Projekt liegt allerdings derzeit auf Eis: Der Landesrechnungshof prüft gerade die Mehrkosten, die durch die vom Land gewünschte Einbindung der Mühlkreisbahn in die zweite Schienenachse entstehen. Wann der Bericht das Rechnungshofs dazu fertig ist, ist im Moment nicht absehbar.

Interview mit Infrastruktur-Minister Norbert Hofer

Life-Radio-Reporter Daniel Kortschak hat mit Infrastruktur-Minister Norbert Hofer (FPÖ) über die Zukunft der Nebenbahnen in Oberösterreich und die Finanzierung von Öffi-Projekten in Linz gesprochen

Ein Triebwagen der Mühlkreisbahn im Bahnhof Aigen-Schlägl

Ein Triebwagen der Mühlkreisbahn im Bahnhof Aigen-Schlägl - Foto: Life Radio / Daniel Kortschak