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Joghurt Mehrweg Pfand

Joghurt in Pfand-Gläsern. Foto: Life Radio / Daniel Kortschak

Das Joghurt im Mehrweg-Glas ist zurück

Der oberösterreichische Molkereiriese Berglandmilch füllt nach Jahrzehnten wieder in Pfand-Gläser ab.

Bisher hatten es nur deutsche Molkereien und einigen Hoflieferanten im Programm: Joghurt in wiederbefüllbaren Pfandgläsern. Jetzt stellt auch der oberösterreichische Milchriese Berglandmilch sein Berghof-Joghurt von Einweg- auf Mehrweg-Gläser um. Mehrere verschiedene Sorten stehen ab sofort im 450-Gramm-Pfandglas in den Supermarktregalen.

Ein Gewinn für die Umwelt, sagt Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich, im Life-Radio-Interview: "Mehrweg ist eindeutig die beste Wahl. Ein Mehrweg-Glas verursacht im Schnitt vier mal weniger CO2-Emissionen als ein Einweg-Glas. Die Mehrweg-Gebinde werden bis zu 15 Mal wiederverwendet; im Gegensatz zu Einweg-Gläsern, die sofort eingeschmolzen werden. Deshalb begrüßen wir den Schritt der Berglandmilch sehr."

Aber nicht nur das Berghof-Joghurt der Marke Schärdinger, sondern auch die von Berglandmilch abgefüllten Bio-Joghurts von Billa, Adeg und Spar werden schrittweise auf die neuen Pfandgläser umgestellt. Und die Gläser sind die gleichen wie sie auch die meisten deutschen Molkereien und einige Hoflieferanten verwenden. Das erleichtert den Kunden die Rückgabe, spart dem Handel viel Sortieraufwand und verkürzt die Transportwege des Leerguts. Das wirkt sich positiv auf die Klimabilanz aus.

Regionale Abfüllung an drei Standorten

Um die Produkte möglichst regional abzufüllen, baut Berglandmilch außerdem bis Mitte 2022 im steirischen Voitsberg eine dritte Abfülllinie für Joghurt und Milch im Glas. Sie entlastet die anderen beiden Molkereien in Wörgl in Tirol und in Aschbach im niederösterreichischen Mostviertel, wo schon bisher Milch und Joghurt in Gläser und Flaschen abgefüllt wird. Durch den neuen Standort in der Steiermark müssen das Leergut und die frisch abgefüllten Milchprodukte dann maximal 200 Kilometer weit transportiert werden.

Die Nachfrage nach Milchprodukten im Glas steige ständig, heißt es von Berglandmilch. Das habe die Entwicklung bei der seit 2018 wieder in der Glasflasche angebotenen Milch gezeigt. Deshalb habe man sich jetzt dazu entschieden, auch bei Joghurt auf die Mehrweg-Lösung umzusteigen. Rund 20 Millionen Euro hat Berglandmilch nach eigenen Angaben in die Renaissance der Pfandgebinde für Milchprodukte investiert.

Mehrweg-System stark ausbaufähig

Die oberösterreichische Molkereigenossenschaft setzte damit Maßstäbe in Sachen nachhaltiger Verpackung, andere Hersteller sollten sich daran ein Beispiel nehmen, sagt Greenpeace-Expertin Panhuber: "Wir fordern einerseits die Abfüller auf, verstärkt auf Mehrweg zu setzen. Aber vor allem auch den Handel. Und hier vor allem den Diskont, namentlich Hofer und Lidl, die bisher noch keine Mehrweg-Flaschen und -Gläser im Angebot haben." Zwar schreibe das Abfallwirtschaftsgesetz ab 2024 schrittweise steigende Mehrwegquoten für alle Einzelhändler und die meisten Getränkesorten vor. "Wir fordern aber, dass es schneller gehen muss. Und es geht schneller. Denn in anderen Ländern in der EU hat der Umstieg auf Pfandsysteme nur ein Jahr gedauert", sagt Lisa Panhuber. 

Außerdem müssten auch mehr Limonaden, Fruchtsäfte und Mineralwässer wieder in Mehrweg-Pfandflaschen angeboten werden, fordert Greenpeace. Das Angebot wird zwar bereits seit einiger Zeit ausgebaut. So haben etwa die Mineralwasser-Riesen Vöslauer und Römerquelle ihr Mehrweg-Angebot in den letzten Jahren ausgebaut. Vöslauer bringt nach der Halbliter-Glasflasche für unterwegs im kommenden Frühjahr auch eine wiederbefüllbare Plastikflasche zurück auf dem Markt. Die kann in Untersuchungen aus Deutschland eine besonders gute Ökobilanz vorweisen, weil sie das geringere Gewicht von Plastik mit der ressourcenschonenden Mehrweg-Technologie kombiniert.

Auch Spar setzt bei seinen Fruchtsaft-, Mineralwasser-, und Limoden-Eigenmarken wieder verstärkt auf Pfandflaschen und -kisten. Und sogar Coca-Cola, vor gut drei Jahrzehnten Vorreiter bei der Einführung der Wegwerf-Plastikflasche in Österreich, bietet sein dunkelbraunes Kult-Erfrischungsgetränk jetzt wieder in der klassischen Ein-Liter-Glasflasche an. Trotzdem dominieren abseits vom Bier in den heimischen Supermarktregalen nach wie vor die Einwegplastikflaschen, ergänzt um ebenso ökologisch unvorteilhafte Getränkedosen. "Bei Wasser und Erfrischungsgetränken ist in Sachen Mehrweg noch sehr viel Luft nach oben", sagt Greenpeace-Konsumsprecherin Panhuber.

Pfandflaschen europaweit auf dem Vormarsch

Auch in anderen Ländern erlebt die Pfandflasche aus Glas gerade wieder ihr Comeback. In Tschchien zum Beispiel setzt mit Kofola der größte einheimische Limonadenhersteller ebenso auf neue Mehrweg-Verpackungen wie die traditionsreiche und landesweit in den Geschäften vertretene Karlsbader Mineralwassermarke Mattoni. Die Mattoni-Gruppe wirbt außerdem gemeinsam mit einigen kleineren Brauereien und Umweltverbänden massiv für die Einführung eines Pfandsystems für Einwegflaschen und Dosen, wie es schon seit Jahrzehnten in Skandinavien und seit 2003 auch in Deutschland etabliert ist. Die Pläne für so ein Pfandsystem liegen schon seit mehr als zehn Jahren in den Schubladen des tschechischen Umweltministeriums. Bisher ist die Umsetzung allerdings an den jahrelang höchst instabilen politischen Verhältnissen in Prag und vor allem am erbittertem Widerstand von einflussreichen Wirtschaftsvertretern gescheitert.

Einen Schritt weiter ist das Nachbarland Slowakei: Dort wird ab 1. Jänner 2022 für alle Einwegflaschen und Dosen ein Pfand von 15 Cent eingehoben. Das soll eine Recyclingquote von 90 Prozent bei Einwegverpackungen für Getränke garantieren und verhindern, dass weiterhin jedes Jahr Millionen von Flaschen und Dosen in Straßengräben, Gewässern und auf Äckern landen. Deutschland wiederum weitet nächstes Jahr sein Einwegpfand auf Fruchtsäfte sowie Wein- und Sektflaschen aus, 2024 sollen dann auch Milchprodukte bepfandet werden. In Österreich ist die Einführung des Pfands auf Dosen und Einwegflaschen nach langem Ringen zwischen Umweltverbänden, dem Klimaschutzministerium und der Wirtschaftskammer jetzt für 2025 geplant.

Mehrweg ist meistens am umweltfreundlichsten

Einwegpfand hin oder her: Die umweltfreundlichste Verpackung bleibt für die meisten Produkte die Mehrwegflasche und das Mehrweg-Glas. Vor allem dann, wenn sie regional produziert und abgefüllt werden. Und wenn sie möglichst sauber und unbeschädigt wieder zurück zum Hersteller kommen. "Die Konsumenten wissen, was sie mit den leeren Gebinden zu tun haben: auswaschen, Deckel drauf und zurück in den Pfandautomaten", sagt Greenpeace-Expertin Panhuber. "Das funktioniert super. Bei Bier, bei Milch und jetzt dann hoffentlich auch bei vielen weiteren Produkten." Rund neun von zehn Mehrweg-Pfandflaschen finden so ihren Weg zurück zum Abfüller. Und fast alle von ihnen gehen dann gereinigt und neu gefüllt in einen weiteren Umlauf. Damit werden Hunderte Tonnen Einweg-Plastik, Weißblech und Alu eingespart.

Daniel Kortschak