Das Stadtzentrum von Budweis

Das Stadtzentrum von Budweis - Bild: Wikimedia Commons / Julian Nitzsche, eigenes Werk, CC-BY-SA 3.0, upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/74/Budweis_Marktplatz_Schwarzer_Turm.JPG

30 Jahre nach der Grenzöffnung: enge Beziehungen zwischen Oberösterreich und Südböhmen

Die beiden Regionen wachsen immer mehr zusammen

30 Jahre ist es her: Da ist der Eiserne Vorhang gefallen, die Grenze zwischen Oberösterreich und Südböhmen ist aufgegangen. Dieses historische Ereignis ist heute im Linzer Landhaus gefeiert worden. Gleichzeitig präsentiert sich bis Samstagabend die Region Südböhmen mit zahlreichen Ständen und Aktionen in der Linzer Innenstadt.

Die Beziehungen zwischen den beiden Regionen seien inzwischen sehr gut und eng. Das betonen Landeshauptmann Thomas Stelzer und seine Budweiser Amtskollegin Ivana Stráská im Gespräch mit Life-Radio-Reporter Daniel Kortschak.

PODCAST: Interview mit Landeshauptmann Thomas Stelzer

PODCAST: Interview mit Kreishauptfrau Ivana Stráská (tschechisch)

Übersetzung des Interviews unter dem Bild

Südböhmens Kreishauptfrau Ivana Stráská und Landeshauptmann Thomas Stelzer

Südböhmens Kreishauptfrau Ivana Stráská und Landeshauptmann Thomas Stelzer - Bild: Land OÖ / Sabrina Liedl

Übersetzung des Interviews mit Kreishauptfrau Ivana Stráská

Life Radio: Frau Kreishauptfrau, 30 Jahre sind seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vergangen. Bis zum Jahr 1989 war in Wullowitz die Welt zu Ende. Und von der tschechischen Seite ist man kaum weiter als bis nach Kaplice gekommen. Wie sind die Beziehungen zwischen Südböhmen und Oberösterreich heute?

Ivana Stráská: "Unsere gemeinsame Geschichte war manchmal schmerzvoll, manchmal auch glücklich. Aber dieses Niemandsland und diesen Stacheldraht haben wir, die wir das noch erlebt haben, immer noch im Kopf. Immer, wenn ich über die Grenze fahre, schaue ich, ob uns jemand aufhält und kontrolliert. Ich bin sehr glücklich, dass diese Zeiten vorbei sind. Und ich bin sehr froh, dass die Beziehungen zwischen uns und Österreich sehr herzlich sind. Nicht nur auf Ebene der Landeschefs, sondern auch zwischen den einzelnen Gemeinden, den einzelnen Menschen, den Schulen und den Kultureinrichtungen. Die Grenze ist also wirklich verschwunden. Dieses Zusammenwachsen funktioniert. Und deshalb habe ich heute in meiner Rede auch von einem Baum gesprochen. Weil es gibt wirklich gemeinsame Wurzeln und die können eine Krone haben, einen gemeinsamen Baum."
 

LR: Wie funktioniert diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit konkret? Welche Projekte gibt es da?

Stráská: "Es gibt eine ganze Reihe von Projekten, zum Beispiel das ‚Tschechisch-Quiz‘, das heute hier präsentiert worden ist und das schon seit einigen Jahren erfolgreich ist. Da machen ganz viele Kinder aus unseren Schulen mit. Aber auch eine Menge Kinder aus österreichischen Schulen. Und dabei stellen sie fest, dass wir eigentlich ganz gleich sind: Unsere Art zu leben ist einfach identisch. Ich möchte auch die gemeinsamen Projekte der Gemeinden und die grenzüberschreitenden Sportveranstaltungen nennen, gemeinsame Kunstprojekte. Schade, dass das letzte größere Projekt da die Landesausstellung 2013 in Vyšší Brod war. Ich hoffe, dass wir bald wieder so ein Projekt erarbeiten können. Und ein größeres Projekt ist jetzt gerade die Aktion ‘Südböhmen zu Gast in Linz‘."
 

LR: Etwas, das nach wie vor nicht auf dem Niveau des 21. Jahrhunderts ist, sind die Verkehrsverbindungen. Die Autobahn auf beiden Seiten der Grenze ist noch immer nicht fertig. Und mit dem Zug ist man von Linz nach Budweis bis zu zwei Stunden unterwegs. Ist da schon eine Verbesserung in Sicht?

Stráská: "In den letzten Jahren ist auf der tschechischen Seite viel weitergegangen bei der Fertigstellung der Autobahn D3. Es sind mehrere neue Abschnitte eröffnet worden und bei weiteren beginnt der Bau. Dafür müssen wir dem Verkehrsministerium und der Autobahn- und Fernstraßendirektion danken. Aber vor allem dem Herrn österreichischen Botschafter möchte ich danken: Er hat sich sehr für die Autobahn eingesetzt und uns sehr geholfen. Sowohl der aktuelle Botschafter als auch der frühere Botschafter Trauttmansdorff. Also wirklich: Hut ab! Und auch wir als Region haben da Druck auf die Regierung gemacht. Und ich hoffe wirklich, dass wir bis 2023 mit der Autobahn an der Grenze sind. Und die Österreicher werden bis dahin auch dort sein, da bin ich mir sicher, bei der Geschwindigkeit, mit der sie bauen. Dieser Termin ist für uns sehr wichtig und wir wollen ihn unbedingt einhalten."
 

LR: Es gibt ein Thema, das die nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Oberösterreich und Tschechien trübt: das Atomkraftwerk Temelín. Österreich hat keine Freude mit dem Betrieb der Reaktoren. Und schon überhaupt keine mit dem geplanten Bau weiterer. Wie ist ihre Meinung dazu? Glauben Sie, dass Temelín wirklich erweitert wird?

Stráská: "Derzeit ist die Erweiterung von Temelín geplant. Wir haben heute über die Verlängerung des Betriebs von Temelín über das Jahr 2020 hinaus diskutiert. Wir sind uns einig, dass das rein in der Verantwortung des tschechischen Staates liegt. Wir sind aber auch übereingekommen, dass wir uns unter guten Nachbarn gegenseitig informieren und auftretende Probleme lösen werden. Ich glaube, das ist die einzig mögliche Lösung. Wir können Kernenergie gut finden oder nicht. Ich selbst bin keine Anhängerin von Atomenergie. Aber ganz pragmatisch gesehen ist mir bewusst, dass es in unserer heutigen Welt ohne Energie nicht geht. Die Pläne in Sachen Elektromobilität sind zu optimistisch. Wir müssen zuerst einmal die Grundlagen dafür schaffen. Und das heißt, wir müssen eine Lösung finden, wo wir die Energie dafür hernehmen. Bei uns geht das bis jetzt nicht ohne Atomstrom. Und ich befürchte, das wird auch in Zukunft nicht gehen."
 

LR: Frau Kreishauptfrau, wenn ich mit Menschen in Oberösterreich spreche, dann stelle ich immer wieder fest, dass sie eigentlich nichts über die Nachbarregion wissen. Sie waren vielleicht einmal auf einem Ausflug in Krumau oder in Budweis. Aber sonst ist Tschechien für sie hauptsächlich das Paradies des billigen Bieres, des billigen Essens und anderer billiger Waren. Ich hätte noch nie gehört, dass ein Oberösterreicher seinen Urlaub in Südböhmen verbringt. Dabei haben Sie viel anzubieten: den Lipno-Stausee, viele schöne historische Städte, die Teiche … Braucht‘s da mehr Werbung?

"Ja, ganz sicher. Und diese jetzige Aktion in Linz ist einer der Schritte, mit dem wir diese Werbung ausbauen wollen. Ich glaube, dass dieses Zusammenwachsen, dieses bessere Kennenlernen und die gemeinsamen Projekte auch dazu führen, dass die Österreicher ihren Urlaub in Südböhmen verbringen werden und das mit der ganzen Familie. Das Niveau der touristischen Angebote verbessert sich, und ich glaube, wir bieten inzwischen vergleichbare Unterkünfte und vergleichbare Dienstleistungen wie in Österreich an. Und wir freuen uns sehr auf unsere Gäste aus Österreich."
 

LR: Frau Kreishauptfrau, vielen Dank für das Gespräch und schönen Tag noch in Linz.

Stráská: "Vielen Dank!"