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Wünsche der Spitalsmitarbeiter

Spitalsmitarbeiter haben einen Weihnachtsbaum voller Wünsche für die Landesregierung - Bild: fotokerschi.at / Werner Kerschbaummayr

Pflegepersonal: ein Weihnachtsbaum voller Wünsche an die Landesregierung

Die Mitarbeiter von Spitälern und Pflegeheimen fordern mehr Personal, kürzere Arbeitszeiten und eine besser bezahlte Ausbildung.

Sie sammeln Überstunde um Überstunde, stöhnen unter der riesigen Arbeitsbelastung und haben seit vielen Monaten kaum mehr ein Privatleben: Die Mitarbeiter in den oberösterreichischen Krankenhäusern und Pflegeheimen haben die Nase voll. Das Hauptproblem ist der drückende Personalmangel, sagt Erwin Deicker, Betriebsratsvorsitzender im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz: "Unsere Leute leben von einem Tag auf den anderen. Sie müssen dauernd einspringen, wissen oft nicht einmal, auf welcher Abteilung sie arbeiten müssen. Nur so kann man den Betrieb überhaupt noch aufrecht erhalten."

Die Corona-Krise hat den schon seit Jahren herrschenden Personalmangel noch einmal verschärft. Nach bald zwei Jahren Extrembelastung denken immer mehr Krankenschwestern, Ärzte und Pfleger ans Aufhören. "Wir brauchen einfach mehr Personal. Und wir brauchen kürzere Arbeitszeiten. Das, was jetzt passiert, führt zu enormer psychischer und physischer Belastung. Eine Freizeitplanung mit Familie und Freunden ist überhaupt nicht mehr möglich", sagt Helmut Woisetschläger, Landeschef der Dienstleistungsgewerkschaft Vida in Oberösterreich.

"Politik hat versagt"

Betriebsratsvorsitzender Erwin Deicker und viele seiner Kolleginnen und Kollegen sind inzwischen richtig sauer auf die Verantwortlichen in der Bundes- und Landesregierung. Sie fühlen sich im Stich gelassen: "Es ist einfach eine Katastrophe. Die Politik hat schlichtweg versagt. Man hätte spätestens vor zwei Jahren schon die Zahl der Ausbildungsplätze aufstocken und die Bezahlung während der Ausbildung massiv erhöhen müssen. Nur so kann man den Pflegeberuf wieder attraktiv machen." Auch Gewerkschafter Woisetschläger fordert eine bessere Entlohnung von Pflegeschülern. Denn schließlich würden auch angehende Polizistinnen und Polizisten schon während ihrer Ausbildung ein ordentliches Gehalt bekommen.

Heute Mittag sind landesweit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ordensspitäler und der konfessionellen Pflegeeinrichtungen vor ihre Häuser gegangen und haben ihrem Ärger lautstark Luft gemacht. Außerdem haben sie Weihnachtsbäume mit ihren Wünschen aufgeputzt. Die mit Zettel dicht behängten Bäume sollen kommende Woche an Landeshauptmann Thomas Stelzer übergeben werden. "Er kann sich die Wünsche über Weihnachten auf jeden Fall einmal genauestens durchlesen, damit er endlich weiß, was das Pflegepersonal tatsächlich möchte. Der Landeshauptmann sagt ja bei jedem Interview, er würde das Pflegepersonal unterstützen. Aber bei uns ankommen tut es nicht", sagt Betriebsratschef Deicker. Um gemeinsam eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und Pflegeheimen zu erreichen, schlägt er einen Gipfel mit Landespolitikern, Sozialpartnern und den Spitals- und Heimträgern vor.

Daniel Kortschak

Protest Spitalsmitarbeiter

Mitarbeiter protestieren vor dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz - Bild: fotokerschi.at / Werner Kerschbaummayr

Erwin Deicker

Betriebsratschef Erwin Deicker vor dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz - Bild: fotokerschi.at / Werner Kerschbaummayr