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Gewessler zu ÖBB-Managern: “Ärmel hochkrempeln und Probleme lösen!”

Verkehrsministerin Leonore Gewessler verlangt ein Ende der ständigen Zugausfälle, Verspätungen und Qualitätsmängel.

Defekte Railjets, uralte Ersatzwaggons und immer wieder Zugausfälle: Seit Dezember läuft es bei den ÖBB alles andere als rund. Pendler, Touristen und die Wirtschaft sind empört. Wir haben mehrfach berichtet. Das ausgerechnet zur Winterurlaubszeit und während des Kulturhauptstadt-Jahrs auch der direkte Intercity von Wien ins Salzkammergut bis auf weiteres ausfällt, hatte zuletzt für Aufregung gesorgt. Die ÖBB haben sich dazu bisher nicht sehr auskunftsfreudig gezeigt.

Life Radio-Reporter Daniel Kortschak hat deshalb bei Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) nachgefragt, wie sie die Probleme bei den ÖBB sieht. Immerhin ist sie oberste Eigentümervertreterin des zu 100 Prozent im Besitz des Bundes stehenden Bahnkonzerns. Gleichzeitig ist Gewessler auch die größte Auftraggeberin der Bundesbahnen: Das Klimaschutzministerium bestellt gemeinsam mit den Ländern um viele Hundert Millionen Euro Steuergeld pro Jahr die einzelnen Zugleistungen bei den ÖBB.

“Ja, es gibt in einzelnen Regionen Schwierigkeiten im Bahnverkehr”, räumt Gewessler auf Nachfrage von Life Radio ein. Sie habe deshalb dem ÖBB-Management den klaren Auftrag gegeben “alle Ärmel hochzukrempeln und die Probleme zu beheben.” Die Kund:innen würden zu Recht verlässliche ÖBB erwarten, und es gehe jetzt darum, das Vertrauen der Fahrgäste in die Bahn zu erhalten.

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler im Gespräch mit Life Radio-Reporter Daniel Kortschak zu den Problemen bei den ÖBB

Dass offenbar mehrere hochrangige ÖBB-Manager kurz vor dem Rauswurf stehen, wollte Gewessler weder bestätigen noch dementieren. Fakt ist: Bei der ÖBB Personenverkehr-AG steht der Vertrag eines der drei Vorstände zur Verlängerung an, und ob die der Aufsichtsrat bei seiner Sitzung in ein einigen Tagen durchwinkt, ist mehr als ungewiss.

Massive Probleme in den ÖBB-Werkstätten

Massiv in der Kritik steht auch das ÖBB-Tochterunternehmen “Technische Services”, das neuerdings als “ÖBB Train Tech” auftritt. Weil in den Werkstätten Ersatzteile, aber auch und vor allem qualifizierte Mitarbeiter fehlen, waren zeitweise weit über hundert Waggons abgestellt. So viele, dass dafür der Platz auf den Werksgeländen nicht mehr ausgereicht hat. Die kaputten Wagen mussten über zahlreiche Bahnhöfe in der gesamten Ostregion verteilt abgestellt werden. Einige Waggons warten dort bis heute auf ihre Reparatur und fehlen im täglichen Betrieb.

Nach einem Bericht der Fachzeitschrift “Eisenbahn Österreich” waren zudem im Dezember zeitweise mehrere Dutzend moderne Nahverkehrszüge vom Typ “Cityjet” nicht einsatzfähig, weil auf die rechtzeitige Wartung vergessen worden war. Ob diese Versäumnisse spurlos an den beiden Geschäftsführerinnen der “ÖBB Technische Services GmbH” vorübergehen, bleibt abzuwarten. Die Rufe nach ihrer Ablösung werden ÖBB-intern auf jeden Fall immer lauter.

Titelbild: Ein älterer Ersatzzug für den täglichen Intercity vom Salzkammergut nach Wien am 4. Februar 2024 in Bad Mitterndorf. Weil es bei den ÖBB nach wie vor an geeigneten Intercity-Wagen mangelt, wird der Zug mit einer Nahverkehrsgarnitur geführt und endet schon in Linz. Wer nach Wien will, muss umsteigen und warten – Foto: Life Radio / Daniel Kortschak