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Kaineder Schobesberger Horak Klima Linz

Umweltlandesrat Kaineder, Umweltstadträtin Schobesberger und Stadtklimatologe Horak (v.l.) präsentieren die aktuellen Ergebnisse der Stadtklimaanalyse - Foto: Stadt Linz

Klimawandel: Es wird immer heißer in den Städten

Linz hat jetzt das Klima in der Stadt genau untersuchen lassen. Und das Ergebnis ist: Es ist  heiß. Zu heiß.

Linz ist jetzt in kräftigen Farben zu bewundern: von Grün über Rot bis Violett schillert der neue Stadtplan. Und diese Farben zeigen, wie heiß es im Durchschnitt in der Stadt ist. Rot und Violett bedeuten: heiß. Zu heiß. „Das betrifft vor allem die Innenstadt, aber auch den Stadtteil Bulgariplatz, da haben wir auch viele violette Zonen. Was besonders heraussticht sind die Industriezeile, das Industriegebiet, inklusive Vöest. Da haben wir sehr viele versiegelte Flächen. Aber das kommt auch in anderen Teilen von Linz vor. In der Neuen Heimat draußen zum Beispiel. Dort im Südwesten sieht man auch gut, dass die dichte Bebauung nicht an der Stadtgrenze aufhört. In Urfahr haben wir ebenfalls so eine kleine Hitze-Zone: rund um die Hauptstraße“, erklärt der Linzer Stadtklimatologe Johannes Horak.

Experten analysieren das Klima in der Stadt

Gemeinsam mit der Meteorologin Isabel Auer und ihrem Kollegen Simon Tschanett von der Firma Weatherpark hat Horak die Linzer Stadtklima-Analyse erstellt. Auf Grundlage dieser Messungen und Erhebungen ist der bunte Stadtplan entstanden: die Klimaanalysekarte (PDF). Auf diese setzt dann die Planungshinweiskarte (PDF) auf. Sie gibt konkrete Handlungsanweisungen, wie das Klima in Linz verbessert werden kann. Eine wichtige Unterstützung für die Stadtplanung, sagt Umweltstadträtin Eva Schobesberger (Grüne). Es liege jetzt an der Politik, diese Empfehlungen auch umzusetzen: „Wir müssen das bestehende Grün in Linz schützen und neues Grün schaffen. Da wird es auch mutige neue Schritte brauchen. Maßnahmen, die den Verkehr betreffen, zum Beispiel: mehr Bäume statt Parkplätze. Oder mehr Platz für Fußgänger:innen, Radfahrer:innen – einfach mehr Raum zum Leben.“

Ideen, die mit Sicherheit für hitzige Debatten im Gemeinderat und unter den Linzer:innen sorgen werden. Erst recht in Zeiten wie diesen, wo sich das Mobilitätsverhalten und die Wahrnehmung des öffentlichen Raums durch die Corona-Pandemie zum Teil grundlegend verändert haben. Außerdem werfen natürlich auch schon die Landtags- und Gemeinderatswahlen am 26. September ihre Schatten voraus, die politische Auseinandersetzung wird zunehmend härter. Von Einigkeit ist in der schon seit Jahren heillos zerstrittenen Linzer Stadtregierung jetzt endgültig nichts mehr zu spüren.

Kritik am neuen Linzer Mobilitätskonzept

So verwundert es nicht, dass die Grünen-Stadträtin kaum ein gutes Haar am kürzlich von SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger und seinem FPÖ-Vize Markus Hein präsentierten Mobilitätskonzept für Linz lässt. „Durch den Bau neuer Autobahnen werden wir keine Verbesserung für unser Klima erreichen. Das ist weder zielführend für den Klimaschutz, noch sind neue versiegelte Flächen zielführend, wenn wir unsere Stadt an die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels anpassen wollen. Da brauchen wir tatsächlich mutigere Konzepte und Herangehensweisen“, sagt Eva Schobesberger.

Zwar sieht auch das rot-blaue Mobilitätskonzept eine zehnprozentige Reduktion des Individualverkehrs in der Stadt vor, dessen Anteil im Modal Split derzeit sagenhafte 56 Prozent beträgt. Gleichzeitig soll der Anteil der in Linz mit den Öffis zurückgelegten Wege von 22 auf 27 Prozent steigen. Das halten Verkehrsexperten und die Opposition im Rathaus freilich für wenig ambitioniert. Und beim Rad- und Fußgängerverkehr sucht man die konkreten Zahlen und Zielwerte im neuen Linzer Mobilitätskonzept überhaupt vergeblich. Konkrete Projekte zur Förderung der Sanften Mobilität werden ebenfalls nicht genannt.

Klimaschutz darf nicht an der Stadtgrenze enden

Einziger Lichtblick sei da neben der Einrichtung von zwei neuen O-Bus-Linien die geplante Stadtbahn vom Linzer Hauptbahnhof durch die östliche Innenstadt Richtung Mühlviertel, sagt der oberösterreichische Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne). Die sei aber auch erst dadurch ermöglicht worden, dass Klimaschutz- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) zugesagt habe, dass der Bund die Hälfte der Kosten übernimmt. Das Projekt sei ein Meilenstein für die Vernetzung der Stadt Linz mit ihrem Umland.

Beim Klimaschutz müsse man ebenfalls über die Stadtgrenzen hinausdenken, so Kaineder: „Die Frage ist: Wie schaffen wir Platz für die, die zu Fuß gehen? Wie schaffen wir Platz für die, die mit dem Rad fahren? Wie schaffen wir es, die Stadt abzukühlen? Das ist im Übrigen eine Herausforderung, die uns im ganzen Land erwartet. Die Stadt Linz geht fast nahtlos in die Nachbargemeinden über – gerade im Westen. Und wir werden es schaffen müssen, dass wir in der Stadt Leonding und bis nach Wels, nach Enns und nach Steyr derartige Klima-Analysen zur Handhabe der politischen Entscheidungsfindung zur Verfügung stellen.“ Schon demnächst wolle er erste Analysekarten für den oberösterreichischen Zentralraum veröffentlichen, sagt Umweltlandesrat Kaineder.

Eines steht schon fest: Die Karten werden bunt, auch weite Teile der Linzer Peripherie werden in sattem Rot oder kräftigem Violett erscheinen. Gerade die Gemeinden im Westen von Linz stehen der Landeshauptstadt in Sachen Bodenversiegelung und Verkehrsbelastung um nichts nach. Eher im Gegenteil.

Daniel Kortschak

Stadtklimatologe Johannes Horak erklärt, wo es in Linz besonders heiß ist

Umwelt-Stadträtin Eva Schobesberger über das neue Mobilitätskonzept für Linz

Umwelt-Landesrat Stefan Kaineder über den Klimaschutz im Zentralraum

Hein Luger Mobilität Linz

Vizebürgermeister und Verkehrsreferent Hein und Bürgermeister Luger präsentieren das neue Mobilitätskonzept für Linz - Foto: Stadt Linz